18. Juli 2007

Willy Heidmann zu seiner Verabschiedung aus dem Gemeinderat der Großen Kreisstadt Mosbach

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

verehrtes Kollegium,

liebe Gäste,

 

Ein Abschied geht meistens mit etwas Wehmut einher. So geht es mir heute auch. Vor 23 Jahren wollte ich eigentlich die jungen Wilden von Mosbach ein wenig unterstützen mit meiner ersten Kandidatur. Aber es kam wie es kam. Ich kann heute von ganzem Herzen sagen: es hat Freude gemacht in diesem Gemeinderat mitzuarbeiten, auch wenn der Sitzungsalltag durchaus nicht immer die reine Freude war. Im Gegenteil, ich war häufig bitter enttäuscht von den Darstellungen der erdrückenden Mehrheit im Gremium. Aus meiner Sicht war doch sehr häufig fehlender Weitblick und parteiliche Engstirnigkeit der Ratgeber vieler Beiträge und Entscheidungen. Aber es gab ja auch Glanzpunkte, wenn es z. B. gelang, mit Hilfe anderer, die mutig waren, auch mal die Mehrheitsfraktion zu überstimmen oder gar aus gutem Grund den Oberbürgermeister auflaufen zu lassen. Ich habe es immer wieder erlebt, dass unsere Forderungen oder Anträge von vor 20 Jahren heute doch umgesetzt sind oder in Kürze umgesetzt werden. Ich möchte Ihnen ein bezeichnendes Beispiel erzählen: Kürzlich traf ich ein Mitglied des Gremiums in der Stadt und wir plauderten über dies und das. Wir kamen auch zum Thema Photovoltaik. Was glauben Sie, was mein Gesprächspartner zu diesem Thema zu sagen hatte? Ich verrate es Ihnen: Ich habe kürzlich eine Sendung gesehen, da wurde berichtet, dass eine solche Anlage auf einem Dach nicht richtig funktionierte. Meine Damen und Herren, ziehen Sie selbst Ihre Schlüsse aus diesem Beitrag! Ich sage dazu nur: Photovoltaik ist die Nutzung eines Geschenkes unsers Schöpfers! Unsere Solarindustrie in Deutschland ist Weltspitze und hat den größten Wachstumszuwachs! Nur in Mosbach gibt es noch viel zu viele leere Dächer!

Was ich als besonders angenehm und erfreulich erlebt habe, meine Damen und Herren, ist das persönliche Angenommensein im Gremium. Ich habe immer eine gegenseitige Sympathie wahrgenommen, trotz verschiedener sachlicher Überzeugungen. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken. Ich habe bewusst sachlicher statt politischer Überzeugungen gesagt, weil ich aus meinen Empfindungen heraus kein parteipolitisch agierender Mensch bin, sondern eher die Harmonie und den Ausgleich suche. Da hat mich vermutlich mein 10jähriger Aufenthalt in Indonesien geprägt.

Wenn es etwas gab, was mich wirklich gestört hat in den Sitzungen, dann waren es die sogenannten Fensterreden: wortreich, voll Pathos aber ohne Inhalt und Aussagekraft. Aber diese Reden gingen ja auch zu Ende!

Meine Damen und Herren, ich bin nun der letzte der AL-ler der ersten Stunde, der den Stadtrat verlässt. Damit bricht eine neue Zeit an und ich bin fest davon überzeugt, dass mit der stark verjüngten Fraktion auch eine Welle von Initiativen und Anträgen eingebracht werden. Sie stöhnen schon innerlich und bekommen ein leichtes Grausen.

Glauben Sie mir, nur in der fairen Auseinandersetzung mit Menschen anderer Überzeugung kann wahre Entwicklung geschehen. Niemand kann das Wahre oder Richtige alleine für sich in Anspruch nehmen, auch wir nicht!

Es ist das letzte Mal meine Damen und Herren, dass ich in diesem ehrwürdigen Saal und von diesem Pult aus zu Ihnen spreche. Ich erinnere mich noch gut an meine zitternden Knie bei unserer Haushaltsrede 1984/85. Auf dem Weg zur Nachfeier im Hübnerkeller noch unter OB Baier, sagte eine auch gerade frisch ins Gremium gewählte Kollegin zu mir: Ich hätte nicht gedacht, dass ein AL-ler überhaupt eine Rede halten kann. So kann man sich täuschen!

Es war mir bis vor etwa einen  halben Jahr nicht bewusst, der Älteste an Lebensalter im Gemeinderat zu sein. Herr Boer bestätigte es mir. Danach wusste ich: es ist Zeit, Jüngeren Platz zu machen und ich mache es jetzt aus vollem Herzen und mit großer Überzeugung. Meine Familie und ich leben nun seit 32 Jahren hier und vor allem während der letzten 23 Jahre ist mir unsere schöne Stadt zur Heimat geworden. Die Mitarbeit im Gremium hat mein Leben bereichert, ja ich habe dazugelernt. Dies Erkenntnis erfüllt mein Herz mit Dankbarkeit und Freude. Aus dieser Kraft heraus werde ich meine Zukunft gestalten. Am Horizont zeigen sich schon neue Herausforderungen die u. U. wieder vollen Einsatz fordern. Ich kann Sie beruhigen, es ist weder ein Aufsichtsratsposten noch ein Beratungsvertrag!

Ganz besonders möchte ich mich von dieser Stelle aus bei meinen Wählerinnen und Wählern bedanken, die mir fünfmal ihr Vertrauen geschenkt haben. Mein vorzeitiger Ausstieg zur Halbzeit der Wahlperiode wird manchen vielleicht wundern. Ich sage Ihnen, es ist keine Flucht oder gar Resignation, sondern geschieht zum Besten der Fraktion und damit auch der Allgemeinheit. Denn wenn es uns nicht schon gäbe, man müsste uns sofort neu erfinden! Einverstanden, meine Damen und Herren?

Nun zum Schluss meiner Rede, die eigentlich gar keine Rede werden sollte, noch etwas vielleicht Visionäres: Schauen Sie, ich habe mit Bedacht eine schwarze Hose und ein grünes Hemd angezogen. Sagen wir mal, die schwarze Hose steht für Bodenständigkeit, Realismus und Sicherheit, das grüne Hemd für Kreativität, Flexibilität, Fortschrittlichkeit und Inspiration aus dem Kosmos. Wenn sich beides aufeinander einlässt, könnte doch eine fruchtbare Synthese herauskommen. Mit Rot-Grün hatte es ja bundesweit schon einmal ganz gut geklappt!

Doch nun wieder zum Abschied, meine Damen und Herren.

Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung für das Vorbereiten und Aufbereiten unserer Vorlagen, für die Offenheit und Freundlichkeit, mit der uns bei Nachfragen begegnet wird und nicht zuletzt für das Erfüllen von Sonderwünschen aus Anlass der Ratsherrenweckfeiern.

Ihnen allen wünsche ich gute Zusammenarbeit und Gottes Segen für die Zukunft!

 

 

 

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