Skandalöser Kahlschlag im Mosbacher Baugebiet Mittel

Zwei Leserbriefe aus den Reihen der Alternativen Liste Mosbach

 

Leserbrief an die Rhein-Neckar-Zeitung von Barbara Klein, Mosbach

erschienen am 6. Juni 2006

Pfingstsamstag werden Tatsachen  geschaffen in Mosbach.

Kahlschlag an der Sulzbacher Straße am Rande des Neubaugebietes „Mittel“ - mitten in der Vegetationsphase werden die Bäume und Sträucher gerodet! Mitten in der Brutzeit der Vögel werden ihr Lebensraum und ihr Nachwuchs vernichtet! Das ist Politik in Mosbach! Man macht platt was einem im Weg steht, ohne eine Achtung vor der Natur und ihren Lebewesen. Und das natürlich an einem Samstag, wenn kein Verantwortlicher in der Verwaltung zu erreichen ist. Es könnte ja unangenehm werden für diese Stadtverwaltung und ihren obersten Dienstherren!

Das ist Politik in dieser Stadt! Betoniert nur alles zu, reißt nur alles ab, kümmert euch nicht um die Bewahrung der Schöpfung und der Kulturgüter in dieser Stadt!

So schafft man einfach Fakten, wie vor kurzem in der Zwingerstraße, so jetzt an Pfingstsamstag an der Sulzbacher Straße. Kahlschlag ohne Achtung!

Es bleibt ein unglaublicher Zorn auf Verantwortliche, die diesen Umgang mit der Natur und ihren Lebewesen befehlen. Und es bleibt die Hoffnung auf einen neuen Oberbürgermeister, der es versteht aus dem Bestand weiter zu entwickeln und der es sich zur Aufgabe macht, Stadtplanung behutsamer voran zu bringen. Denn wir haben diese Welt nur geborgt und wir sind für das Leben verantwortlich, auch im Kleinen!

 

Leserbrief Rhein-Neckar-Zeitung von Christine Denz, Mosbach

11. Juni 2006

Was wird man wohl in zehn Jahren über das dann ehemalige Neubaugebiet „Mittel“ denken? In den kommenden Jahren werden alle, aber auch alle wissen, dass die Erderwärmung real ist und dass das dadurch verursachte weltweite große Sterben nicht aufzuhalten ist und sich auch hier auswirkt. Wir hätten schon längst beim „Mittel“ (und auch anderswo in Mosbach) unseren kleinen Beitrag zur CO2-Vermeidung leisten können. Aber als Erstes wurde die umweltverträglichere Nahwärmeversorgung gekippt - zu Gunsten der Erdgasleitungen der Stadtwerke. Vorausschauend wäre eine dezentrale Lösung gewesen so wie ursprünglich geplant als Holzkraftwerk mit gleichzeitigem Anschluss an die Lohrtalschule und das Kreiskrankenhaus. Die jetzige Gasversorgung wird Jahrzehnte bleiben. Niemand rüstet einen Neubau energetisch um. Die energetische Zukunft wurde verbaut.

Der Antrag der Alternativen Liste Mosbach, Sonnenenergie auf den Dächern verpflichtend zu nutzen, wurde von der Mehrheit des Gemeinderates mit dem Argument abgelehnt, man dürfe die Leute nicht zwingen. Vorschriften wie Dachneigung und so weiter sind nach dieser Lesart offensichtlich kein Zwang. Beides – Holzkraftwerk und obligatorische Solarenergienutzung – hätte einen langfristig wirkenden starken Effekt haben können.

Und nun die Rodungen am Pfingstsamstag. Wenig zwar nur vom Volumen her, aber von der ökologischen Sensibilität her verheerend. Ich habe dem Bau der Lärmschutzwand zugestimmt, leider. Keine Rede war aber in der Verwaltungsvorlage von dem vorgesehenen Kahlschlag. Ich konnte Samstag Mittag jemanden von der Verwaltungsspitze erreichen und ihn bitten, zunächst einmal die Arbeiten einstellen zu lassen. Die telefonische Erfolgsmeldung „Einen Baum habe ich gerettet!“ erwies sich aber schon einige Minuten später als falsch, weil weiter gerodet wurde. Ich fühlte mich an der Nase herumgeführt. Am Mittwoch fiel dann auch noch der Nussbaum.

Meine Zweifel und meine Reue über mein positives Abstimmungsverhalten zur „Mittel“-Bebauung sind im Laufe der Jahre gewachsen. Sehr schwer fiel mir damals die Zustimmung, weil mit der Wohngebietsausweisung die schöne Streuobst-Landschaft, die Gärten, der Artenreichtum mit der angepassten Flora und Fauna und der Frischluft-Kanal für die Altstadt größtenteils zerstört würden. Damals schien es die einzig mögliche Alternative zur drohenden  Knopfhof-Bebauung zu sein. Auf die tatsächliche Nachfrage nach Bauplätzen darf man neugierig sein – und bleibt ob der Bevölkerungsentwicklung skeptisch.

Diese geschilderten Vorgänge sind alle öffentlich abgelaufen – kaum mit Resonanz aus der Bevölkerung. Eine Ausnahme war die Knopfhof-Diskussion. Ich denke, es ist höchste Zeit, dass viele Menschen aus der in den letzten Jahren gewachsenen und geförderten Mosbacher Lethargie heraustreten und dass sie sich wieder in ihre Angelegenheiten einmischen.

Christine Denz, Mosbach

 

 

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