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Rhein-Neckar-Zeitung, Dezember 2005
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Kein Geld für eine barrierefreie Innenstadt?
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Podiumsdiskussion des Stadtseniorenrats – Wie lebt die ältere Generation in Mosbach? – „Erschreckende Entwicklung“
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Von Peter Lahr
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Mosbach. Wie sieht die Lebensqualität älterer Mitbürger in Mosbach aus? Wie reagieren die Lokalpolitiker auf die aktuellen demographischen Entwicklungen? Zu diesen teilweise brisanten Themen befragten Bürgermeister Michael Jann in seiner Funktion als 1. Vorsitzender des Stadtseniorenrats sowie Hans Beckert vom Stadtseniorenrat und Paul Herold vom Kreisseniorenrat am Donnerstagabend im Rathaussaal die Lokalpolitiker und Stadträte Volker Wesch (CDU), Hans Bühler (SPD) und Christine Denz ( Alternative Liste).
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Doch nur wenigen Mosbachern schien das Thema unter den Nägeln zu brennen: den sechs Teilnehmern des Podiums saßen nur 16 Zuhörer im Saal gegenüber. Selbst das statistische Landesamt Baden-Württemberg sehe in der aktuellen demographische Entwicklung eine „Herausforderung an unsere Gesellschaft“, berichtete Bürgermeister Michael Jann zu Beginn der Diskussionsrunde. „Auf Mosbach heruntergerechnet“, bedeute das Zahlenwerk, dass voraussichtlich im Jahre 2050 in Mosbach 7500 Personen über 60 Jahre alt seien. „700 Personen werden dann pflegebedürftig sein.“ Gebe es bereits heute konkrete Vorstellungen, wie die Gemeinderatsfraktionen - etwa durch haushaltsnahe Dienstleistungen oder barrierefreie Zugänge – auf diese Entwicklung reagieren wollten, lautete die erst Frage des Abends.
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„Es ist erschreckend“, kommentierte Volker Wesch die demographische Entwicklung. Die Stadt Mosbach habe den Hospitalfonds zum Bau des Pfalzgrafenstifts sinnvoll verwendet. Allerdings machten die Aufwendungen für den Ausbau der B 27 weitere Investitionen der Stadt kaum möglich. Wesch schlussfolgerte daraus, dass der ehrenamtliche Bereich verstärkt ausgebaut werden müsse.
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Christine Denz zählte sich mit ihren 57 Lebensjahren zur „älteren Generation“. Ein möglichst langes autonomes Leben für Ältere könne die Stadt etwa durch Absenken der Gehwege erleichtern, was aber nachträglich viel Geld koste. Eine Art Hol- und Bringservice für Gekauftes regte Denz an. Einen solchen zu entwickeln, läge aber eher im Aufgabenbereich der Einzelhändler, etwa von „Mosbach Aktiv“.
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„Ich gehöre ganz kräftig zu den Älteren, zähle mich aber nicht dazu“, offenbarte Hans Bühler, dem spezielle kulturelle Angebote für „unternehmungslustige Senioren“ am Herzen lagen.
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Unterschiedlich empfanden die Zuhörer, überwiegend Senioren, ihre persönliche Lebensqualität. Rundum zufrieden zeigte sich eine 65-jährige Bewohnerin der Waldstadt: Gute Busanbindungen, ein Laden, eine Apotheke und Arztpraxen seien vorhanden. „In der Neuen Heimat geht es uns nicht so gut“, erklärte dagegen eine 68-Jährige, die zum Glück noch „gut zu Fuß“ sei. Sie regte an, evtl. mit kleineren Linienbussen die Anbindung dieses Ortsteils zu verbessern. Auch aus dem Masseldorn hätte eine Teilnehmerin nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln die Podiumsdiskussion erreichen können: „Um 18 Uhr geht bei uns der letzte Bus“, berichtete sie. Auch fehle ein „Tante-Emma-Laden“.
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Einig waren sich alle Anwesenden darin, dass sich offensichtlich viel zu wenige der heute 60-Jährigen darum kümmerten, wie sie ihren dritten Lebensabschnitt denn gestalten wollten. Für DRK-Geschäftsführer Linus Vetter belegte die „voll besetzte Halle“, dass die Leute „die Zeichen der Zeit“ nicht erkannt hätten.
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Vielleicht könnten Veranstaltungen wie diese Podiumsdiskussionen, aber auch „Workshops“, zum Nachdenken und einem Bewusstseinswandel führen.
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Als ungeeignet empfand ein Zuhörer den Vorschlag von Volker Wesch, noch mehr Ehrenamtliche im sozialen Bereich einsetzen zu wollen. Nur rechtzeitige Regelungen könnten den Notfall abfedern: „Reden sie rechtzeitig mit ihren Kindern oder Versorgungseinrichtungen, die sie später einmal pflegen sollen“, riet er seinen Zuhörenr auf und scheute sich nicht vor deutlichen Worten „Wir enden alle einmal in Pflegeheimen, das lässt sich nicht ändern.“
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Damit war bereits zum zweiten Themenkomplex des Abends übergeleitet, der Pflegequalität in den Mosbacher Pflegeheimen – und zu der Frage, ob die Zahl der Pflegebetten in Zukunft reiche. Ein Urteil über die Pflegequalität der Mosbacher Häuser wollten und konnten die Lokalpolitiker nicht abgeben. Ihre subjektiven Eindrücke schilderte Christine Denz vom ASB-Pflegeheim, in dem ihre Mutter wohne: Das Personal sei sehr gut, litte aber unter einem „Zu viel“ an Dokumentation.
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Der Altenpflegeplan des Landes Baden-Württemberg geht derzeit von einem Überangebot von 1000 Pflegebetten aus.
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„Im Allgemeinen können wir stolz auf unsere Heime sein, nach unserem Eindruck werden die Menschen gut versorgt“, befand Hans Beckert, der gemeinsam mit dem Stadtseniorenrat alle Heime in Mosbach besucht hatte. Allerdings hofften die Heime auf mehr „grüne Damen“. Auch das Ausmaß der angebotenen Beschäftigungstherapie sei sehr unterschiedlich – nicht zuletzt aus Kostengründen. Die in Aglasterhausen besuchte Anlage, die ein gemeinsames Wohnen im Alter ermögliche, beeindruckte den Stadtseniorenrat so sehr, dass er sich für eine vergleichbare Institution in Mosbach einsetzt. Paul Herold dankte abschließend allen Teilnehmern für die „sehr interessante Veranstaltung“, die im nächsten Jahr weiter geführt werden soll.
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