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Rhein-Neckar-Zeitung, 26. Juli 2005
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Sachlich, gelassen und aufgeschlossen
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AL-Stadtrat Willy Heidmann feiert seinen 70. Geburtstag – Weitgereister Schreinermeister und Yogalehrer
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Von Dorothee Roos
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Mosbach. „Ich bin voller Jugend und Frische“. Mit diesem Mantra beim morgendlichen Yoga beginnt für ihn der Tag – ab heute schreibt der Wahlmosbacher Wilhelm Heidmann, Schreinermeister, Jugendausbilder, langjähriger AL-Stadtrat und Yogalehrer, beim Alter vorne eine „Sieben“. Die schreckt ihn nicht – er hat in einem reichen Leben Gelassenheit gelernt, hält ohne Anstrengung die Balance zwischen eher beharrenden Grundkräften und der ebenso ausgeprägten Fähigkeit, immer wieder neue Dinge zu denken und umzusetzen.
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Grundlage seines Lebens war für den am 26. Juli 1935 im Hessischen Geborenen die solide handwerkliche Ausbildung zum Schreiner. Doch bereits nach der Gesellenprüfung verließ er die Heimat, um auf einer klassischen Wanderschaft einen guten Ort für die Meisterprüfung zu finden. Den fand er im badischen Weingarten – und in der Familie des Meisters auch gleich noch Reinhilde, seine Frau fürs Leben. Doch das bedeutete noch keineswegs die Sesshaftigkeit: Die Verlobten verbrachten zwei Berufsjahre in Genf, um ganz bewusst im französischsprachigen Kulturraum nach Krieg und Nazizeit Brücken zu bauen.
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Danach kmen die Heirat, die Niederlassung als selbstständiger Meister in Karlsruhe, rasch ganz viel Arbeit im boomenden Wirtschaftswunderland, das erste Kind – ein bundesdeutscher Normalweg schien vorgezeichnet. Doch dann stand in einer Fachzeitschrift die Annonce der Basler Mission: „Schreinermeister für Indonesien gesucht“. Die junge Familie reiste 1965 nach Borneo aus, Wilhelm Heidmann bildete als technischer Leiter der Holzfachschule in Mandomai eine halbe Generation indonesischer Schreiner aus, eine sehr praktische Art der Mission und echte „Hilfe zur Selbsthilfe“. Zehn Jahre Südostasien haben die Familie geprägt, die nach und nach auf sieben Köpfe anwuchs. Sie sprachen die Landessprache und lernten das Beste aus einer spirituell geprägten Kultur – „Mission“ fand nicht als Einbahnstraße statt.
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Zurück in Deutschland, führte Heidmanns Weg nach Mosbach: zum Berufsbildungswerk der Johannes-Anstalten. Benachteiligten und scheinbar chancenlosen Jugendlichen eine Perspektive zu geben, ihre Stärken zu erkennen und bei der Berufsfindung zu helfen, wurde ab 1975 seine neue Lebensaufgabe. Kulturelle Heimat fanden er und Reinhilde im Kreis der Evangelischen Kantorei, zur politischen Heimat wurde die von friedens- und bürgerbewegten Gruppen neu gegründete Alternative Liste Mosbach, für die Wilhelm Heidmann 1984 in den Gemeinderat einzog, dem er in fünfter Periode immer noch angehört. Dort zunächst mit viel Misstrauen beäugt, erwarb er sich durch seine sachliche Arbeit bald Respekt. Zu seinen größten politischen „Erfolgen“ zählt der Stadtrat, dass er an der Durchsetzung der Landesgartenschau und der Rettung der „Alten Mälzerei“ tatkräftig mitgewirkt hat – und dass frühere Reizvokabeln („Blockheizkraftwerk!“, „Solarenergie!“, „Öffentlicher Personennahverkehr!“) inzwischen auch in Mosbach selbstverständliche Realität geworden sind. Dass er auch privat einlöst, was er politisch predigt, gehört ebenso dazu.
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Doch auch der Ruhestand im Jahr 1998 brachte kein bloßes „Weiter so“: Wilhelm Heidmann machte eine Ausbildung zum Yogalehrer. Damit ist er auch beruflich zum Partner seiner Frau geworden, doch leitet er die Gruppen auf seine ganz eigene, persönliche Weise. Allseits geachtet und beliebt, lebt „Willy“, wie halb Mosbach ihn nennt, auch als Siebzigjähriger noch neuen Räumen jung entgegen – im Grundgefühl einer großen Lebensdankbarkeit.
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