”Gemeinschaftliches Wohnen in der Stadt”

Alternativen zum Flächenverbrauch – sozial, ökologisch, barrierefrei

”Wir wollen anders leben und wohnen als in der Isolierung. Wir haben eigene abgeschlossene Wohnungen, wahren unsere Privatsphäre und können dabei doch gemeinschaftlich leben.” So umriss Anette Wellhöfer, die Geschäftsfuehrerin von MIKA (MieterInnen-Initiative Karlsruhe) die Motivation der 245 Menschen (davon 90 Kinder), die nach einer knapp zweijährigen Umbauphase seit 1999 vier der ehemaligen amerikanischen Kasernen bewohnen. Die Alternative Liste Mosbach lud zu einem Vortrag ueber ”Gemeinschaftliches Wohnen im sozialen Quartier” ein. Mit ihrem Wahlprogramm setzt die AL schon seit ihrem mittlerweile 20jährigen Bestehen neue Akzente – beschränkt sich nicht auf Besichtigungen und Verbesserungen von bereits Bestehendem -, sondern verknuepft ihre Ziele mit einem Angebot an die Bevölkerung zur Information und Diskussion. Bei den Entscheidungen ueber Stadtplanung und Stadtentwicklung hat sie den Knopfhof fest im Blick, fuer dessen Erhalt ihre Gemeinderäte Christine Denz, Dorothee Roos und Wilhelm Heidmann sich erfolgreich eingesetzt haben.

Gleichwohl wird neuer Wohnraum gesucht. Dieses muss möglich gemacht werden ohne den bisherigen zerstörerischen Landschaftsverbrauch. Angesagt ist das stadtnahe Wohnen und die Wiederbelebung der Ortskerne. Dafuer bietet sich das neue Mosbacher Sanierungsgebiet an der Eisenbahnstrasse rund um die Majolika-Fabrik an. Es wuerde auch Platz bieten fuer gemeinschaftsliches Wohnen – wenn man es rechtzeitig anpackt. Erfreulich war der Besuch vieler Fachleute. Architekten und Profis aus der Bauverwaltung waren vertreten, die die AL-Gemeinderatskandidatin und Stadtplanerin Suse Häussermann aus Lohrbach neben anderen Gästen begruessen konnte. Mit ihren Einfuehrungsworten lenkte sie die Aufmerksamkeit auf die Wohnwuensche, die stark von dem jeweiligen historisch-gesellschaftlichen Kontext bestimmt werden.

Höchst engagiert berichtete Anette Wellhöfer vom Werden und Bestehen der MIKA: Die vier Wohngebäude und das Kultur- und Gemeinschaftshaus beherbergen in Etagenwohnungen alle Generationen (die älteste Bewohnerin ist 87 Jahre alt) und mehrere Nationalitäten. Die Zielsetzungen sind: sozial, ökologisch und barrierefrei. Jeder soll unabhängig von seinem Einkommen mitmachen können. Genossenschaftlich organisiert, gibt es kein Wohneigentum. Die Mieten liegen, wie geplant, unter 5 Euro pro Quadratmeter. Umgebaut wurde sehr guenstig mit Zuschuessen des Bundes und mit hohen 10% Eigenanteil. Die Ansprueche an die bauftragten Firmen mit diesen Kriterien hoch: kein Lohn-Dumping, Frauen muessen ebenso beschaeftigt wie ein Betriebsrat vorhanden sein.

Pflicht beim Umbau waren Zisternen, Waermedaemmung und Holzfussböden. Ehemalige Strassen und Parkplaetze wurden entsiegelt und renaturiert. Teil-autos minimieren den Parkplatzbedarf und ermöglichen mehr Gruenbereiche. Die MIKA wurde von Anfang an professionell betrieben. 16 jährlich gewählte Aufsichtsräte und die Geschäftsfuehrerin ordnen die allgemeinen Angelegenheiten und legen sie den in zweiwöchigem Rhythmus stattfindenden Mitgliederversammlungen vor. Diese entscheiden im Konsensprinzip, d. h. Es wird so lange argumentiert, bis alle ueberzeugt sind. ”Das funktioniert wirklich”, versicherte die Referentin  auf skeptische Nachfrage. Die Nachbarn helfen sich gegenseitig. Gut seien die vielen Kontaktmöglichkeiten auch fuer Einzelkinder, Alleinerziehende und alleinlebende Menschen. Der Kommunikation untereinander dient auch das fuer die Bewohner kostenlose Intranet und die gemeinsame Telefonanlage. Der Kulturverein belebt  das fuer alle offene Kultur- und Gemeinschaftshaus. Das MIKA-Konzept ist schon mit vielen Auszeichnungen gewuerdigt worden. Mit der Hälfte der Preisgelder werden soziale Projekte unterstuetzt.

Pressemitteilung, Mai 2004

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